Schlehen    -     Saft
Aus Schlehen, Prunus spinosa, läßt sich ein sehr schackhafter Saft gewinnen, obwohl die Früchte selber wegen der enthaltenen Bitterstoffe kaum genießbar sind. Im Niederdeutschen werden sie deshalb Muultrecker genannt. Die Früchte dürfen nicht mit dem Dampfentsafter bearbeitet werden; denn dann gelangen die Bitterstoffe ebenfalls in den Saft, der dann pelzig schmeckt.
Es heißt im Volksmund, daß die Schlehen erst Frost haben müssen, bevor man sie verarbeiten kann. Ich habe jahrelang bereits Anfang Oktober Schlehen gepflückt und anschließend sehr guten Saft erhalten. Auch auf "künstlichen Frost" in der Tiefkühl- truhe kann man verzichten. Wenn die Schlehen zu reif sind, entstehen sehr viel Schwebeteilchen (Mulch), die mühsam abgefiltert werden müssen.
Die Saftgewinnung :
1.  Die Schlehen werden nach dem Pflücken von Laub- und Schmutzteilen befreit und mit
     kaltem  Wasser abgespült. Anschließend läßt man sie auf einem groben Sieb gut abtropfen.
2. Die Schlehen werden in einen großen Topf, besser in eine Steinkruke gefüllt,
    und mit siedendem Wasser übergossen, bis es ca. 0,5 cm über den Früchten steht.

3.  Nach 24 Stunden  wird die Flüssigkeit von den Früchten getrennt (abgegossen).
     Dazu  eignet sich ein großes Sieb, z. B. der Einsatz eines Dampfentsafters.
4.  Die aufgefangene Flüssigkeit wird in einem Topf zum Sieden gebracht. Die Schlehen
     kommen in das Gefäß zurück und werden wieder mit dem siedenden Saft
     übergossen.

5.  Nach 24 Stunden : wie 3 und 4
6.  Nach 24 Stunden : wie 3
7.  Der Saft wird durch ein Tuch gefiltert, um Schwebstoffe zu entfernen. Kaffeefilter sind zu
     fein, die setzen sich sofort zu.
8.  Der klare Saft wird aufgekocht nach Geschmack mit Zucker gesüßt und heiß in saubere
     Flaschen gefüllt. Es hat sich bewährt, wenn diese zur Abtötung möglicher Keime mit
     Doppelkorn oder Rum ausgespült wurden. Die geringen Spuren zurückbleibenden
     Alkohols  beeinflussen den Geschmack nicht und dürften auch Kindern nicht schaden.
9.  Die Flaschen müssen sofort mit einem Schraubverschluß verschlossen werden.
10.  Nach dem Abkühlen entsteht ein starker Unterdruck in der Flasche, der den Deckel mit
       einem  Klickgeräusch leicht verformt und die Dichtung kräftig anpreßt.
 a)   Zum Verzehr kann der Saft je nach Geschmack noch mit Wasser verdünnt werden :
       3 oder 4 Teile Saft + 1 Teil Wasser
 b)   Schlehensaft schmeckt sehr gut mit einem Schuß Rum.
 c)   Der Saft könnte zu Wein vergoren werden.
11.  Schlehen mit Korn oder Rum bei Zugabe von Kandiszucker "aufzusetzen", um Likör zu
       erhalten,  halte ich nicht für sinnvoll; denn ein Teil des Alkohols zieht in die Früchte, die
       hinterher weggeworfen werden. - Dann lieber Saft mit "Schuß" (10b).

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